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Autor Thema: Doktorarbeit: Fight Club  (Gelesen 8805 mal)
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katabeth
Mrs. Mancinis Anwalt
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« am: 02.Mrz 2005, 13:38 »

Hi,

ich bin ganz neu hier und hab eben erst auf chuckpalahniuk.net gesehen, dass es euch gibt. Dachte mir, dass ich mich hier mal melde.

Ich schreib gerade an meiner Doktorarbeit an der Anglistik/Amerikanistik der Uni Magdeburg und neben drei anderen Romanen arbeite ich an einer Analyse zu Fight Club. Wenn also Interesse besteht mit mir ĂŒber das ein oder andere zu diskutieren, ich vielleicht hier mal die ein oder andere Idee rein werfen könnte - jemand was lesen will - jemand Interesse an SekundĂ€rliteratur hat oder mir vielleicht sogar was zukommen lassen will - ich bin fĂŒr jeden Input und Austausch dankbar. - Denn um ehrlich zu sein, nimmt mein Prof gerade diesen Abschnitt meiner Arbeit nicht besonders ernst. Chuck Palahniuk ist halt akademisch gesehen noch nicht sehr etabliert. Also - wie dem auch sei - ich bin fĂŒr jeden Austausch dankbar und hoffe, mit dem ein oder anderen von euch in Kontakt treten zu können...

Liebe GrĂŒĂŸe aus Magdeburg,

Katabeth  Cheesy
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TenderBranson
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« Antworten #1 am: 13.Mrz 2005, 10:57 »

Zitat von: "katabeth"
Also - wie dem auch sei - ich bin fĂŒr jeden Austausch dankbar und hoffe, mit dem ein oder anderen von euch in Kontakt treten zu können...

Was genau analysierst du denn? Ich meine, was genau ist denn der Schwerpunkt deiner Arbeit? WĂ€re ganz hilfreich, wenn du das etwas prĂ€ziser ausdrĂŒcken könntest, dann fĂ€llt eventuelle Hilfe auch etwas leichter. :wink:
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katabeth
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« Antworten #2 am: 13.Mrz 2005, 11:11 »

Das ist schon klar, dass das dann einfacher ist. Ich wollte nur nicht gleich schon im ersten Post einen halben Roman schreiben.
Meine Doktorarbeit beschÀftigt sich, um das erstmal ganz grob zum umreissen, mit Gewalt und MaskulinitÀt - im Zusammenhang mit Konsumgesellschaft - in der britischen und amerikanischen Gegenwartsliteratur. Ich untersuche zui diesen drei Schlagwörtern insgesamt vier Romane. Zum einen Fight Club von Chuck und American Psycho von Bret Easton Ellis als amerikanische Beispiele, My Idea of Fun von Will Self und The Wasp Factory von Iain Banks als britische Beispiele.
Das Ganze geht in die Richtung, dass weisse hetero MĂ€nner seit den 60er, 70er Jahren aus dem Zentrum als Norm verdrĂ€ngt wurden - und zwar durch die BĂŒrgerrechtsbewegung, Frauenbewegung, Schwulenbewegung, etc., so dass sie sich neu definieren mĂŒssen. Dies geschied vorerst ĂŒber Konsum, da die Werbung und die Medien ihnen am direktesten sagt, wie der neue Mann zu sein hat. Da das natĂŒrlich nur etwas sinnentleertes ist, kann es nicht wirklich IndentitĂ€ts stiftend sein. Und in allen FĂ€llen greifen die Ich-ERzĂ€hler (es ist interessant, dass es immer Ich-ErzĂ€hler - und zwar unzuverlĂ€ssige) auf Gewalt als das ursprĂŒnglichste MĂ€nnliche zurĂŒck, um sich vorerst zu definieren - als eine Art Ausbruch aus dem Konsumverhalten.

So in etwa in a nutshell. Da gehören natĂŒrlich noch einige weitere Aspekte dazu - aber soweit erstmal, damit ihr euch vielleicht was darunter vorstellen könnte, womit ich mich beschĂ€ftige...

Interesse?

Katabeth
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TenderBranson
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« Antworten #3 am: 13.Mrz 2005, 11:25 »

Zitat von: "katabeth"
Interesse?

Oh, Interesse auf jeden Fall.
Ich weiß nur nicht, in wie weit man da behilflich sein kann. Obwohl ich auch "American Psycho" besitze, habe ich von deinen 4 BĂŒchern doch nur "Fight Club" gelesen. Oder beziehst du dich auch auf die Verfilmungen?
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katabeth
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« Antworten #4 am: 13.Mrz 2005, 13:09 »

Die Verfilmungen beziehe ich im Fall von Fight Club und American Psycho nur in Bezug auf Rezeptionsgeschichte der BĂŒcher mit ein.
Im Fall von Fight Club, dass der Roman - und somit Chuck selbst erst durch die großartige Verfilmung weites Interesse erweckt hat. Im Fall von American Psycho, dass im Gegensatz zum Roman, der Film kaum Aufsehen oder einen weiteren Skandal ausgelöst hat, was damit zusammenhĂ€ngt, dass sich die Macher fĂŒr einen eindeutig unzuverlĂ€ssigen ErzĂ€hler entschieden haben, was im Roman uneindeutig ist, und es sich sowohl bei Regie als auch Produktion, um Frauen am Hebel gehandelt hat. Aber was meine Analyse angeht, werd ich die Verfilmungen nicht besonders mit einbeziehen.

Mit Interesse mein ich auch, dass wenn ich mir mit einer Idee nicht ganz sicher bin - ob ich die hier einfach mal reinwerfe, um "zu testen", ob sie auch Sinn macht...

Liebe GrĂŒĂŸe,

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« Antworten #5 am: 13.Mrz 2005, 15:35 »

Zitat von: "katabeth"
Mit Interesse mein ich auch, dass wenn ich mir mit einer Idee nicht ganz sicher bin - ob ich die hier einfach mal reinwerfe, um "zu testen", ob sie auch Sinn macht...

Oh, in dem Fall helfe ich gern. :wink:
Lass' von dir hören, wenn es soweit ist.
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katabeth
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« Antworten #6 am: 13.Mrz 2005, 16:12 »

Sehr cool!!!   Cheesy

Danke!!

Katabeth
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« Antworten #7 am: 13.Mrz 2005, 17:37 »

du hast wirklich ein interessantes thema aber mir gehts etwa so wie Tender:
- ich kenne von den BĂŒchern nur fight-club
- ich möcht gern helfen, aber hab keine ahnung wie Cheesy
- ich bin auf das ergebnis deiner arbeit gespannt
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Alles was man nicht versteht, kann man deuten, wie man will.
katabeth
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« Antworten #8 am: 13.Mrz 2005, 19:22 »

Dass ihr die anderen BĂŒcher nicht kennt - ist nicht schlimm - hab ich auch gar nicht erwartet. Ich sitze im Moment eh erstmal ĂŒber dem Fight Club Kapitel und fang morgen mit der Analyse langsam an. Dann werd ich vielleicht einfach mal den ein oder anderen Abschnitt hier ins Forum kopieren - oder einfach mal eine Idee umreissen - und hoffe, dass sich dann jemand mit konstruktiver Kritik meldet...

Find ich aber schon mal irre toll, dass ĂŒberhaupt Interesse und Bereitschaft besteht sich was durchzulesen und drĂŒber zu diskutieren - freu mich schon drauf...
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Katabeth
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teskima
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« Antworten #9 am: 21.Mrz 2005, 11:25 »

Hi katabeth,

Bist Du Mann oder Frau? Eigenartige Frage - ich weiß, aber ich glaube es macht einen Unterschied welches Geschlecht sich mit körperlicher Gewalt als Ausdrucksmedium beschĂ€ftigt. Ich bin eine Frau und habe Fight Club fĂŒr mich zum Buch der BĂŒcher erwĂ€hlt, nicht zuletzt weil ich mangels körperlicher Möglichkeiten geistig meine Gewaltbereitschaft auslebe und auf der Suche nach einem Ventil bin.

FĂŒr Fragen und Austausch zum Buch - gerne bereit!

Teskima
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katabeth
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« Antworten #10 am: 31.Mrz 2005, 12:04 »

Hi -

ich hatte gerade eine "Eingebung" und brauch mal ganz dringend ein bisschen Feedback - ist zwar noch nicht gerade toll formuliert - Fehler drin - etwas konfus - aber... vielleicht macht es ja Sinn - das Ganze handelt sich um Kontextuelle Signale der UnzuverlÀssigkeit des namenlosen Ich-ErzÀhlers in Fight Club - Sag mir mal was ihr davon haltet....


Der Gebrauch von 'insomnia' spiegelt Palahniuks Vorstellung davon wie Menschen individuell aber auch Kultur und Gesellschaft mit Dingen umgehen, die sie belasten oder berĂŒhren im weitesten Sinne, wieder. Sie machen sie sich zueigen. Assimilieren sie. Dinge werden zu Geschichten, zu Kopien, um verdaut zu werden. („Stories we need to shit out.“) Durch das Verdauen der Dinge, die einen beschĂ€ftigen, werden sie zu etwas neuem, werden immer wieder kopiert und verĂ€ndert. Sie werden zu „a copy of a copy of a copy”. Dies funktioniert im persönlichen Leben genauso wie im kommerziellen. So wurde aus den gesammelten Geschichten von Palahniuk und seinen Freunden ein Roman eine fiktionalisierte Geschichte. Eine Kopie von Palahniuks Leben und Problemen. David Fincher machte daraus eine weitere Kopie. Den Film “Fight Club”. Der Film ist eine Geschichte ĂŒber den Roman. Inzwischen gibt es ein Computerspiel namens Fight Club. Eine Geschichte ĂŒber den Film. Box-Events werden als Fight Club angekĂŒndigt. Fight Clubs nach dem Vorbild des Romans bilden sich. Die Kultur/ die Gesellschaft macht sich Palahniuks Geschichte zueigen, verdaut sie und wandelt sie um in etwas eigenes.
Insomnia steht in direktem Zusammenhang mit diesem Gedanken, der Einverleibung und Umwandlung. Dem Konzept des Kopieren, um damit umgehen zu können.

The insomnia distance of everything, a copy of a copy of a copy. You can't touch anything, and nothing can touch you. (FC, 96f.)

Durch diese Verbindung mit dem Konzept 'a copy of a copy of a copy' wird Schlaflosigkeit, Insomnia, zum Signal dafĂŒr, dass etwas verdaut wird. Etwas wird von dem ErzĂ€hler zu etwas neuem umgewandelt. Er erzĂ€hlt eine Geschichte und macht durch die Geschichte sich seine Krise zueigen. Insomnia wird zum Anzeiger fĂŒr Fiktionalisierung, fĂŒr 'unreliability' innerhalb der Geschichte des ErzĂ€hlers. Hinzukommt, dass der ErzĂ€hler aufgrund seiner Schizophrenie sich oft nicht sicher ist, wann und ob er schlĂ€ft, was die UnzuverlĂ€ssigkeit seiner AusfĂŒhrungen unterstreicht. Somit ist den Abschnitten der Geschichte, die mit Schlaf oder Schlaflosigkeit explizit in Verbindung stehen nicht zu trauen.


Danke im Vorraus - Katabeth
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JohnnyJustice
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« Antworten #11 am: 31.Mrz 2005, 12:45 »

Klingt doch super.  Smiley  Also ich habs verstanden und finde die These interessant.

Ich habe vor paar Monaten eine Kurzgeschichte geschrieben die das ein wenig aufgreift. Unbewusst habe ich auch Palahniuk zitiert, ist mir erst aufgefallen als ich den Film neulich nochmal gesehen hab Smiley

Weis zwar nicht ob dir das hilft. Aber kannst ja mal lesen.  Smiley

http://www.kurzgeschichten.de/vb/showthread.php?t=23295
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« Antworten #12 am: 23.Dezember 2005, 17:24 »

Darf man fragen, was aus der Arbeit geworden ist?
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